thinkBI #032 – Entscheidungen brauchen einen sichtbaren Wirkungsweg

Im thinkBI Podcast geht es diesmal um eine Frage, die nach jedem Dashboard und jeder Analyse offenbleibt: Was geschieht eigentlich mit der Information, nachdem sie bereitgestellt wurde? Rückmeldungen zur Dashboard-Nutzung bilden den aktuellen Anlass, einen Entwurf vorzustellen, der sich aus den Gedanken der vergangenen Podcastfolgen entwickelt hat: das Entscheidungswirkraster.

Nutzungsmetriken können zeigen, ob ein Bericht geöffnet wird. Sie zeigen aber noch nicht, ob er eine Entscheidung verbessert hat. Ein nie aufgerufener Bericht ist ein klares Signal. Ein einmal geöffneter Bericht kann es ebenfalls sein. Doch selbst regelmäßige Nutzung beantwortet noch nicht die entscheidendere Frage: Welche Wahl wurde durch welche Information unterstützt, welche Handlung ist daraus entstanden und woran erkennen wir später ihre Wirkung?

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Genau an dieser Stelle wird sichtbar, warum BI nicht bei Datenprodukten enden kann. Ein Dashboard ist kein Selbstzweck. Es ist Teil eines Weges, auf dem eine Organisation einen Anlass versteht, Optionen bewertet, Informationen nutzt und aus den Folgen ihres Handelns lernt.

Das Raster beginnt deshalb nicht bei null. Es verdichtet mehrere Linien, die im Podcast schrittweise entstanden sind: Entscheidungen als Ausgangspunkt von BI, Informationsbedarf als Folge von Verantwortung, KPIs im Kontext von Ziel und Handlung, Datenmodell und Semantik als Fundament, den Dashboard Creation Cycle und Nutzung als Rückkopplung. Neu ist vor allem, diese Gedanken in einem gemeinsamen Wirkungszusammenhang sichtbar zu machen. Handlungsoptionen und Bewertungskriterien ergänzen die bisherige Denkwelt dort, wo aus einer fachlichen Frage eine tatsächliche Wahl werden soll.

Die Entscheidungsfrage steht vor dem Informationsbedarf

In der Praxis beginnt BI häufig bei der verfügbaren Datenquelle, einer Kennzahl oder einem gewünschten Bericht. Das ist verständlich, weil diese Dinge greifbar sind. Es dreht die Reihenfolge aber leicht um. Bevor sich klären lässt, welche Analyse gebraucht wird, muss klar sein, was entschieden werden soll.

Ein Entscheidungswirkraster setzt deshalb beim Verantwortungsraum an. Wer trifft die Entscheidung? Wer bereitet sie fachlich vor? Was löst sie aus? Und welche konkrete Frage steht zur Wahl? Diese Unterscheidung ist mehr als Dokumentation. Entscheider und fachliche Vorbereiter sind oft nicht dieselben Personen. Wenn ihre Rollen verschwimmen, bleibt auch unklar, wer Informationen einordnet und wer die Folgen der Entscheidung verantwortet.

Zur Entscheidungsfrage gehören auch Annahmen und Klärungsbedarf. Nicht jede Entscheidung beginnt mit vollständigem Wissen. Entscheidend ist, Unsicherheit sichtbar zu machen, statt sie im scheinbar fertigen Reporting zu verstecken.

Unsicherheit, Zeitdruck und fehlende Informationen wirken dabei nicht nur in einer einzelnen Phase. Sie begleiten die gesamte Entscheidung und sollten deshalb als Querschnittsbedingungen sichtbar bleiben.

Vom Wahlraum zur Informationsarchitektur

Erst wenn die Frage klarer ist, öffnet sich der Wahlraum. Welche realistischen Handlungsoptionen gibt es? Nach welchen Kriterien sollen sie bewertet werden? Diese Kriterien präzisieren den Informationsbedarf. Sie machen aus der allgemeinen Forderung nach „mehr Daten“ eine fachliche Frage: Was müssen wir wissen, um zwischen diesen Optionen verantwortet wählen zu können?

Damit bekommt auch die Informationsarchitektur ihren richtigen Platz. Informationsprodukte, KPIs, Analysen und Sichten unterstützen nicht einfach irgendeine Transparenz. Sie liefern Kontext für eine konkrete Wahl. Die Datenbasis wiederum muss die benötigten Fakten, Dimensionen, Objekte und Zeitbezüge tragen.

Das ist keine lineare Übergabe vom Fachbereich an ein BI-Team. Entscheidungsfrage, Bewertungskriterien, Informationsprodukt und Datenbasis beeinflussen sich gegenseitig. Eine unklare Entscheidungsfrage erzeugt unklaren Informationsbedarf. Fehlende Daten können zeigen, dass eine Option noch nicht belastbar bewertbar ist. Neue Erkenntnisse können die ursprüngliche Frage verändern.

Ein gutes Datenmodell ist daher nicht nur technisch sauber. Es ist ein Teil der Begründung dafür, warum eine Entscheidung mit diesen Informationen und nicht mit anderen getroffen wird.

Wirkung muss zur Entscheidung zurückführen

Viele Entscheidungsprozesse enden gedanklich mit der Wahl. Das Raster führt bewusst weiter: Was geschieht nach der Entscheidung, wer übernimmt welche Handlung und bis wann? Anschließend folgt die Rückkopplung. Woran und wann erkennen wir, ob die erwartete Wirkung eingetreten ist?

Diese letzte Frage ist unbequem, weil sie Entscheidung und Information überprüfbar macht. Sie verhindert nicht jede Fehlentscheidung. Aber sie schafft die Möglichkeit, aus Folgen zu lernen, Annahmen nachzuschärfen und den Informationsbedarf beim nächsten Anlass besser zu bestimmen.

Hier verbindet sich die Folge mit den Rückmeldungen zur Dashboard-Nutzung. Wer nur nach Feedback fragt, erhält leicht rückblickende Bewertungen oder Rechtfertigungen. Wer um Rat bittet, richtet das Gespräch eher auf nächste Schritte. Auch eine Rückkopplung nach einer Entscheidung sollte nicht bei der Frage stehen bleiben, ob etwas gut oder schlecht war. Sie sollte klären, was sich gezeigt hat und was sich daraus für die nächste Wahl verändert.

Das Entscheidungswirkraster ist eine Arbeitshypothese, noch kein validiertes Framework. Es muss an mehreren realen Entscheidungssituationen geprüft werden, in denen Menschen im Fachbereich Entscheidungen vorbereiten und verantworten. Erst dann lässt sich beurteilen, ob jeder Baustein eine eigenständige Funktion erfüllt, die Beziehungen praktisch tragen und Fachbereich, BI-Team und Führung dieselben Begriffe verstehen. Seine vorläufige Stärke liegt nicht in zusätzlichen Formularfeldern. Sie liegt darin, Verbindungen sichtbar zu machen, die in vielen BI-Projekten getrennt behandelt werden: Verantwortung, Information, Wahl, Handlung und Lernen.

Business Intelligence verbindet Entscheidungen systematisch mit Informationen. Dieser Anspruch wird erst belastbar, wenn der Weg von der Frage bis zur Wirkung sichtbar bleibt.

Die Modellübersicht und das ausfüllbare Workshop-Arbeitsblatt stehen hier als PDF bereit: Entscheidungswirkraster – Von Verantwortung zur Wirkung.

🎧 Die komplette Folge findest du im thinkBI Podcast.

Nutzung ist noch keine Wirkung

Musik: Great Podcast Intro (short & long) von Lundstroem
Quelle: freemusicarchive.org (Creative Commons) – https://freemusicarchive.org/music/lundstroem/songs-for-leona/great-podcast-intro-both-short-and-long-version-included/

Veröffentlicht von

Marcus Wegener

Marcus Wegener

Marcus Wegener ist Full Stack Power BI & Fabric Engineer und schreibt auf thinkBI über Datenmodellierung, Power BI, Fabric und Business Intelligence als Grundlage besserer Entscheidungen. Im Zentrum steht nicht das Dashboard, sondern die Frage, wie aus fachlichen Anforderungen tragfähige Informationsstrukturen entstehen.

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