thinkBI #038 – Ein gutes Dashboard hält niemanden fest

Im thinkBI Podcast geht es diesmal um eine Frage, die dem gängigen Verständnis von gutem Dashboard-Design zunächst widerspricht: Sollte ein Dashboard Menschen wirklich zum Verweilen einladen?

Viele digitale Produkte sind darauf gebaut, Aufmerksamkeit möglichst lange zu halten. Der nächste Inhalt wartet schon, ein weiterer Klick verspricht eine neue Entdeckung, aus dem ersten Impuls wird schnell ein tieferer Pfad. Diese Logik ist für Plattformen nachvollziehbar. Für ein Dashboard kann sie jedoch am Zweck vorbeigehen.

Ein Dashboard soll nicht beschäftigen. Es soll eine relevante Information so zugänglich machen, dass Menschen ihre Arbeit besser tun können.

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Aufmerksamkeit ist nicht dasselbe wie Nutzen

Ein visuell attraktives, interaktives Dashboard kann faszinieren. Filter laden zum Ausprobieren ein, Drilldowns führen immer weiter ins Detail, und hinter jeder Ansicht scheint noch eine weitere Erkenntnis zu liegen. Das kann wertvoll sein, wenn jemand bewusst explorativ arbeitet, Muster sucht oder einer offenen Frage nachgeht.

Aber es kann auch ein Rabbit Hole erzeugen. Dann wird aus einer klaren Ausgangsfrage eine Folge weiterer Klicks. Der Nutzer sucht nach einer wichtigen Information, bleibt aber bei immer kleineren Details hängen. Die eigentliche Entscheidung gerät aus dem Blick, während das Dashboard Aufmerksamkeit bindet.

Das sichtbare Symptom ist eine lange Verweildauer. Die tiefere Ursache liegt häufig darin, dass der Zweck des Informationsprodukts nicht klar genug bestimmt wurde. Für welche Handlung ist dieses Dashboard da? Welche Information braucht der Nutzer in diesem Moment? Und was soll nach dem Blick auf die Information möglich sein?

Ein gutes Dashboard misst seinen Wert nicht daran, wie viele Funktionen es anbietet oder wie lange es geöffnet bleibt. Sein Wert zeigt sich darin, ob es den Weg von einer Frage zu einer verantworteten Handlung verkürzt.

Ein Nutzerkreis ist nicht nur eine Berechtigung

Diese Frage wird besonders deutlich, wenn unterschiedliche Personen dasselbe Dashboard nutzen sollen. Ein Abteilungsleiter braucht möglicherweise einen Überblick über mehrere Mitarbeitende, Entwicklungen und Vergleichswerte. Ein einzelner Mitarbeiter braucht dagegen Informationen zu seinem eigenen Aufgabenbereich, häufig auf einer anderen Detailebene.

Werden beide lediglich über dieselbe Ansicht und unterschiedliche Berechtigungen bedient, kann ein unpassendes Informationsprodukt entstehen. Für den Mitarbeiter bleiben in einer auf Teamvergleich angelegten Visualisierung vielleicht nur wenige Werte sichtbar. Platz, Aufmerksamkeit und Orientierung gehen verloren. Die Information ist zwar technisch verfügbar, aber nicht sinnvoll auf die Aufgabe bezogen.

Das sind keine Fragen der kosmetischen Personalisierung. Sie klären, auf welcher Ebene eine Information für einen bestimmten Empfängerkreis überhaupt Bedeutung hat. Ein Dashboard für Führung benötigt nicht automatisch dieselbe Struktur wie ein Dashboard für die operative Arbeit. Unterschiedliche Verantwortung erzeugt unterschiedlichen Informationsbedarf.

Weniger Umwege, mehr Klarheit

Auch Startseiten und zusätzliche Navigation verdienen diese Prüfung. Es kann sinnvoll sein, Nutzung zu beobachten und zu verstehen, welche Berichte Menschen tatsächlich öffnen. Doch eine vorgeschaltete Seite ist nicht automatisch ein guter Einstieg, nur weil sie messbar macht, wohin weitergeklickt wird.

Jeder zusätzliche Schritt muss einen Zweck erfüllen. Wenn ein Nutzer bereits weiß, welche Information er benötigt, ist ein Umweg keine Orientierung, sondern Reibung. Gute digitale Prozesse versuchen deshalb, unnötige Klicks zu vermeiden. Für Dashboards gilt dieselbe Grundidee: Der Zugang zur relevanten Information sollte möglichst direkt sein.

Das bedeutet nicht, dass jedes Dashboard flach und ohne Interaktion sein muss. Es bedeutet, Interaktion vom Zweck her zu denken. Explorative Analyse darf Wege in die Tiefe eröffnen. Ein Dashboard, das eine wiederkehrende Frage beantwortet, sollte dagegen nicht verlangen, dass Nutzer die Antwort erst durch eine kleine Expedition freilegen.

Damit schließt sich die Folge an eine weitergehende Frage der Business Intelligence an. Informationen werden nicht dadurch wertvoll, dass sie sichtbar, schön oder reichhaltig sind. Sie werden wertvoll, wenn sie in einer konkreten Situation Orientierung geben und verantwortetes Handeln ermöglichen.

Ein gutes Dashboard lädt daher nicht zum Verweilen ein. Es macht klar, was jetzt relevant ist und gibt Menschen die Zeit zurück, mit dieser Klarheit etwas zu tun.

Quellen und Hinweise

🎧 Die komplette Folge findest du im thinkBI Podcast.

Kein Rabbit Hole für Entscheidungen

Musik: Great Podcast Intro (short & long) von Lundstroem
Quelle: freemusicarchive.org (Creative Commons) – https://freemusicarchive.org/music/lundstroem/songs-for-leona/great-podcast-intro-both-short-and-long-version-included/

Veröffentlicht von

Marcus Wegener

Marcus Wegener

Marcus Wegener ist Full Stack Power BI & Fabric Engineer und schreibt auf thinkBI über Datenmodellierung, Power BI, Fabric und Business Intelligence als Grundlage besserer Entscheidungen. Im Zentrum steht nicht das Dashboard, sondern die Frage, wie aus fachlichen Anforderungen tragfähige Informationsstrukturen entstehen.

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