thinkBI #010 – Form schafft Inhalt – Warum Dashboards zuerst auf Papier entstehen

Warum entstehen viele Dashboards eher zufällig als bewusst? In vielen Business-Intelligence-Projekten beginnt die Arbeit direkt im Tool. Daten werden geladen, Visuals ausprobiert, Kennzahlen auf eine Seite gezogen. Schritt für Schritt entsteht ein Bericht. Oft funktioniert das, zumindest technisch. Aber selten entsteht auf diese Weise ein wirklich gutes Dashboard.

Hier klicken, um den Inhalt von Spotify anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Spotify.

Denn ein gutes Dashboard beginnt nicht im Tool. Es beginnt im Denken.
Genauer gesagt: im Entwurf.

In dieser Folge des thinkBI Podcasts geht es deshalb um einen Schritt, der in vielen Projekten übersprungen wird, das Dashboard-Prototyping. Bevor Datenmodelle gebaut und Visualisierungen umgesetzt werden, lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und sich eine einfache Frage zu stellen:
Wie soll dieses Dashboard eigentlich funktionieren?

Welche Fragen soll es beantworten?
Wie navigiert ein Nutzer durch die Informationen?
Welche Struktur hilft, die Inhalte schnell zu verstehen?

Ein hilfreiches Prinzip dabei lautet:
Form schafft Inhalt.

Wenn eine klare Struktur vorhanden ist, wird es deutlich einfacher, die richtigen Inhalte zu platzieren. Ohne Struktur hingegen entsteht schnell eine Sammlung einzelner Visualisierungen, aber kein Dashboard, das wirklich führt oder Orientierung gibt.

Eine einfache Möglichkeit, diese Struktur zu entwickeln, ist Paper-Prototypin.
Ein Blatt Papier, ein Stift, mehr braucht es zunächst nicht.
Gemeinsam mit dem Fachbereich lässt sich so sehr schnell skizzieren, welche Inhalte auf einer Seite erscheinen sollen, wie Visualisierungen angeordnet sein könnten und wie Nutzer durch das Dashboard navigieren.

Der Vorteil, in dieser Phase gibt es noch keine technischen Limitationen. Es geht nicht um Tool-Funktionen, sondern um Verständnis. Diese Idee passt auch gut zu einem Modell, das im Kontext von Visual Business Analytics beschrieben wird. Dabei lassen sich drei Ebenen unterscheiden:

Information Design – klassische Berichte mit klarer Präsentationslogik
Visual Business Intelligence – interaktive Dashboards mit Filtern und Navigation
Visual Analytics – explorative Analyse mit komplexeren Visualisierungen

Gerade im Bereich der Dashboards zeigt sich: Die Struktur entscheidet oft stärker über den Nutzen als die einzelne Visualisierung.

Ein spannender Impuls dazu kommt von Andreas Wiener aus dem Umfeld von Reporting Impulse. Seine These lautet, dass sich rund 95 % aller Reporting-Anforderungen mit sechs grundlegenden Dashboard-Typen abbilden lassen.

  • Tabellen-Dashboards
  • Monitoring-Dashboards
  • KPI-Dashboards
  • Struktur-Dashboards
  • Vergleichs-Dashboards
  • Portfolio-Dashboards

Die Idee dahinter ist einfach. Wenn bestimmte Strukturen immer wieder funktionieren, lohnt es sich, Vorlagen und Templates zu entwickeln. Diese können dann im Prototyping genutzt werden, um schneller über Inhalte zu sprechen.
Ähnlich wie beim Backen eines Kuchens. Die Form bestimmt nicht den Geschmack – ob es ein Zitronen- oder Schokoladenkuchen wird. Aber ohne Form wird der Teig im Ofen kaum zu einem guten Ergebnis führen.

Genauso kann eine gute Struktur helfen, Inhalte besser zu entwickeln.
Ein Dashboard entsteht dadurch nicht zufällig, sondern bewusst gestaltet.
In dieser Folge von thinkBI geht es genau um diesen Gedanken.
Warum Dashboards nicht mit Daten beginnen sollten, sondern mit einer Idee.

🎧 Die komplette Folge findest du im thinkBI Podcast.

thinkBI Essentials

Kernaussagen

  • Gute Dashboards entstehen nicht zuerst im Tool, sondern im bewussten Entwurf ihrer Struktur und Nutzung.
  • Form ist in BI keine dekorative Hülle, sondern ein Mittel, um Inhalte verständlich, navigierbar und entscheidungsrelevant zu ordnen.
  • Paper-Prototyping schafft einen Raum, in dem Fachlichkeit vor technischer Machbarkeit geklärt werden kann.
  • Wiederkehrende Dashboard-Typen zeigen, dass viele Anforderungen von klaren Mustern profitieren statt von spontaner Visualisierung im Werkzeug.

Begriffe aus diesem Beitrag

Dashboard-Prototyping
Dashboard-Prototyping ist die konzeptionelle Vorstufe zur technischen Umsetzung eines Dashboards. Im BI-Kontext hilft es, Fragen, Struktur, Navigation und Informationslogik zu klären, bevor Datenmodelle und Visualisierungen gebaut werden.

Paper-Prototyping
Paper-Prototyping beschreibt das Skizzieren eines Dashboards mit einfachen Mitteln wie Papier und Stift. Es unterstützt die Zusammenarbeit mit dem Fachbereich, weil Inhalte und Nutzungsideen sichtbar werden, ohne dass Toolgrenzen das Denken früh verengen.

Dashboard-Typ
Ein Dashboard-Typ ist ein wiederkehrendes Strukturmuster für bestimmte Informations- und Steuerungsaufgaben. Solche Typen erleichtern es, bewährte Formen für Monitoring, Vergleich, KPI-Steuerung oder Strukturübersichten gezielt einzusetzen.

Informationsdesign
Informationsdesign meint die bewusste Anordnung und Darstellung von Informationen so, dass sie schnell erfassbar und verständlich werden. Für Business Intelligence ist es die Grundlage dafür, dass ein Bericht nicht nur Daten zeigt, sondern Orientierung schafft.

Weiterdenken

  • Wo starten wir in unseren Projekten noch direkt im Tool, obwohl die Informationslogik noch gar nicht geklärt ist?
  • Welche wiederkehrenden Dashboard-Typen könnten wir als Vorlagen nutzen, um schneller zu besseren Entwürfen zu kommen?
  • Verwandtes Thema: Prototyping im Dashboard Creation Cycle
  • Verwandtes Thema: Informationsdesign zwischen Bericht und Analyse
Die meisten Dashboards entstehen zu früh im Tool.

Musik: Great Podcast Intro (short & long) von Lundstroem
Quelle: freemusicarchive.org (Creative Commons) – https://freemusicarchive.org/music/lundstroem/songs-for-leona/great-podcast-intro-both-short-and-long-version-included/

Veröffentlicht von

Marcus Wegener

Marcus Wegener

Marcus Wegener ist Full Stack Power BI & Fabric Engineer und schreibt auf thinkBI über Datenmodellierung, Power BI, Fabric und Business Intelligence als Grundlage besserer Entscheidungen. Im Zentrum steht nicht das Dashboard, sondern die Frage, wie aus fachlichen Anforderungen tragfähige Informationsstrukturen entstehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.