thinkBI #029 – Zugänglichkeit macht Dashboards für alle besser

Im thinkBI Podcast geht es diesmal um eine Eigenschaft von Dashboards, die in vielen Projekten erst spät betrachtet wird: Zugänglichkeit. Ausgangspunkt sind Rückmeldungen aus der Community zur verständlichen Visualisierung und zur Trennung von semantischem Modell, Interaktion und Präsentation.

Ein Dashboard kann fachlich korrekt modelliert, visuell aufgeräumt und technisch sauber umgesetzt sein. Trotzdem kann es einen Teil seiner Nutzer ausschließen. Dann liegt das Problem nicht in den Daten. Es liegt in der Art, wie die Information erreichbar gemacht wird.

Barrierefreiheit ist deshalb keine zusätzliche Qualitätsstufe für besonders sorgfältige Projekte. Sie gehört zur grundlegenden Aufgabe eines Dashboards, Informationen so zu vermitteln, dass Menschen sie verstehen und für ihre Arbeit nutzen können.

Hier klicken, um den Inhalt von Spotify anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Spotify.

Sehen ist keine einheitliche Voraussetzung

Farbe ist in vielen Dashboards ein zentraler Bedeutungsträger. Rot signalisiert eine kritische Abweichung, Grün einen guten Zustand, verschiedene Farbtöne unterscheiden Kategorien oder Prioritäten. Das wirkt eindeutig, solange alle Empfänger diese Unterschiede genauso wahrnehmen wie die Person, die das Dashboard gestaltet hat.

Genau diese Voraussetzung ist nicht gegeben. Menschen unterscheiden sich in ihrer Farbwahrnehmung. Bestimmte Farbkombinationen können für einen Teil der Nutzer kaum unterscheidbar sein. Geringe Kontraste, feine Nuancen oder ausschließlich farblich codierte Zustände machen aus einer scheinbar klaren Darstellung eine schwer zugängliche Information.

Hilfreich sind Werkzeuge, die unterschiedliche Formen der Farbwahrnehmung simulieren. Sie verschieben die Prüfung von einer abstrakten Regel zu einer konkreten Erfahrung. Was bleibt von der Aussage übrig, wenn die gewählte Farbcodierung nicht wie vorgesehen ankommt?

Die Konsequenz lautet nicht, auf Farbe zu verzichten. Farbe sollte nur nicht allein dafür verantwortlich sein, Bedeutung zu transportieren. Beschriftungen, Symbole, Muster, Positionen und ausreichende Kontraste können dieselbe Aussage zusätzlich absichern. Verständlichkeit entsteht dann nicht aus einem einzelnen visuellen Signal, sondern aus einer robusten Kombination.

Auch Schatten, räumliche Effekte und künstliche Tiefe verdienen eine kritische Prüfung. Was für den Ersteller dekorativ oder modern wirkt, kann Wahrnehmung erschweren oder Unruhe erzeugen. Gestaltung muss sich deshalb nicht nur daran messen lassen, wie sie aussieht. Entscheidend ist, wie zuverlässig sie Information überträgt.

Technisch erreichbar ist noch nicht effizient nutzbar

Zugänglichkeit endet nicht bei Farben. Ein Dashboard muss auch dann sinnvoll bedienbar und verständlich sein, wenn jemand keine Maus verwenden kann oder auf einen Screenreader angewiesen ist.

Formal lässt sich dafür einiges prüfen. Sind Elemente über die Tastatur erreichbar? Ist die Tab-Reihenfolge festgelegt? Sind aussagekräftige Beschreibungen hinterlegt? Können Filter, Navigation und interaktive Bereiche ohne visuelle Orientierung bedient werden?

Doch formale Erreichbarkeit allein reicht nicht. Ein Nutzer kann theoretisch jedes Element erreichen und trotzdem durch eine schlechte Reihenfolge ausgebremst werden. Wenn Nebensächlichkeiten vor den entscheidenden Informationen kommen, Hinweise unnötig lang sind oder dieselben Inhalte wiederholt vorgelesen werden, entsteht kein brauchbarer Zugang.

Ein Beispiel aus der Softwareentwicklung macht diesen Unterschied deutlich. Wer in einem Callcenter während eines Gesprächs ein Formular bedienen muss, braucht nicht nur erreichbare Eingabefelder. Die Navigation muss die Person schnell zu den relevanten Stellen führen. Hinweise müssen verständlich, knapp und bei Bedarf überspringbar sein. Zugänglichkeit zeigt sich hier nicht daran, dass jede Funktion irgendwie bedient werden kann, sondern daran, dass die eigentliche Arbeit effizient möglich bleibt.

Für Dashboards gilt dasselbe. Eine sinnvolle Lesereihenfolge sollte der fachlichen Frage folgen. Überschriften müssen Orientierung geben. Beschreibungen sollten die Aussage eines Visuals erklären, statt lediglich dessen sichtbare Bestandteile aufzuzählen. Interaktionen brauchen eine nachvollziehbare Position im Informationsfluss.

Das sind keine technischen Formalismen. Das ist Informationsarchitektur für unterschiedliche Zugangswege.

Zugänglichkeit verbessert die gemeinsame Informationsarchitektur

Die vermeintliche Sonderanforderung hat einen wichtigen Nebeneffekt. Viele Verbesserungen kommen allen Nutzern zugute.

Ausreichende Kontraste helfen auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen oder auf einem schlechten Bildschirm. Eine klare Tastaturreihenfolge macht die Navigation vorhersehbar. Präzise Beschriftungen reduzieren Interpretationsaufwand. Ein sauber gegliederter Informationsfluss hilft auch Menschen ohne dauerhafte Einschränkung, schneller zur relevanten Aussage zu gelangen.

Damit wird Barrierefreiheit zu einem Prüfstein für die Qualität der gesamten Dashboard-Gestaltung. Sie zwingt das BI-Team, genauer zu klären, welche Information zuerst gebraucht wird, welche Elemente tatsächlich Bedeutung tragen und welche Dekoration den Zugang eher erschwert. Aus der Perspektive einzelner Nutzergruppen entsteht eine bessere Lösung für die Gemeinschaft.

Das passt zur grundlegenden Aufgabe von Business Intelligence. BI soll Entscheidungen systematisch mit Informationen verbinden. Diese Verbindung bleibt unvollständig, wenn der Zugang zur Information von einer bestimmten Farbwahrnehmung, einem bestimmten Eingabegerät oder einer ausschließlich visuellen Nutzung abhängt.

Zugänglichkeit sollte deshalb nicht kurz vor der Veröffentlichung geprüft werden. Sie gehört bereits in Prototyping, Gestaltung und Feedback. Nicht als separate Version des Dashboards, sondern als Eigenschaft einer belastbaren Informationsarchitektur.

Ein gutes Dashboard zeigt Information nicht nur. Es macht sie erreichbar.

🎧 Die komplette Folge findest du im thinkBI Podcast.

Zugänglichkeit verbessert Dashboards für alle

Musik: Great Podcast Intro (short & long) von Lundstroem
Quelle: freemusicarchive.org (Creative Commons) – https://freemusicarchive.org/music/lundstroem/songs-for-leona/great-podcast-intro-both-short-and-long-version-included/

Veröffentlicht von

Marcus Wegener

Marcus Wegener

Marcus Wegener ist Full Stack Power BI & Fabric Engineer und schreibt auf thinkBI über Datenmodellierung, Power BI, Fabric und Business Intelligence als Grundlage besserer Entscheidungen. Im Zentrum steht nicht das Dashboard, sondern die Frage, wie aus fachlichen Anforderungen tragfähige Informationsstrukturen entstehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.