„Kindness matters“ steht auf einem Aufkleber, den ich von der FabCon mitgenommen habe. In thinkBI Folge 41 ist er mein Ausgangspunkt für einen Rückblick auf die persönliche Seite von Events und Community-Begegnungen.
Auf einer Konferenz kommen Menschen zusammen, die ein fachliches Interesse teilen. Trotzdem ist ein gutes Gespräch keineswegs selbstverständlich. Jemand steht neben einer Gruppe und findet keinen Einstieg. Ein anderer schaut während des Gesprächs schon zur nächsten Session. Eine kurze Antwort wirkt abweisend, obwohl die Person vielleicht gerade vor ihrem eigenen Vortrag steht.
Wir sehen das Verhalten. Die Situation dahinter kennen wir oft nur zum Teil.
Für mich beginnt Freundlichkeit deshalb mit der Bereitschaft, diese Lücke zu sehen. Vielleicht hat die knappe Antwort wenig mit mir zu tun. Vielleicht braucht mein Gegenüber gerade Ruhe, muss einen Termin einhalten oder hat seine Aufmerksamkeit längst auf mehrere Aufgaben verteilt. Wenn ich diese Möglichkeiten mitdenke, kann ich einer Begegnung anders begegnen.
Vertrautheit ist nicht immer gegenseitig
Durch Podcasts, Videos und Social Media können uns Menschen sehr vertraut werden. Wir kennen ihre Themen, ihre Stimme und viele ihrer Gedanken. Wenn wir sie dann zum ersten Mal persönlich treffen, fühlt sich die Begegnung für uns vielleicht wie ein Wiedersehen an.
Für die andere Person kann es der erste Kontakt sein. Sie kennt weder unseren Namen noch unseren fachlichen Hintergrund. Die Vertrautheit ist ungleich verteilt.
Das macht den Einstieg manchmal merkwürdig. Ich habe schon das Gefühl, mein Gegenüber zu kennen, während es sich erst orientieren muss. Ein gemeinsamer Gesprächsrahmen muss trotzdem noch entstehen.
Mir hilft es, mir diese unterschiedliche Ausgangslage bewusst zu machen. Ich freue mich selbst sehr, wenn mich jemand anspricht. Gleichzeitig weiß ich, wie viel Überwindung das kosten kann. Gerade deshalb möchte ich einem solchen Kontakt Aufmerksamkeit geben und verstehen, was die Person beschäftigt.
Das muss kein langes Fachgespräch werden. Manchmal ist es ein kurzer Hinweis auf einen hilfreichen Gedanken. Manchmal ergibt sich ein Austausch über ein Projekt oder über das Podcasten. Entscheidend ist, dass beide überhaupt die Möglichkeit bekommen, in die Begegnung hineinzufinden.
Aufmerksamkeit und persönliche Grenzen gehören zusammen
Menschen erleben denselben Veranstaltungstag unterschiedlich. Manche gewinnen im Austausch Energie. Andere müssen mit ihrer Kraft haushalten. Auch meine eigene Aufmerksamkeit hängt davon ab, was mich gerade beschäftigt und welche Aufgaben ich noch habe.
Wenn ich als Helfer zu einer bestimmten Session muss, kann ich ein Gespräch nicht beliebig fortsetzen. Wenn jemand nach vielen Begegnungen eine Pause braucht, ist seine Aufnahmefähigkeit vielleicht erschöpft. Das lässt sich von außen nicht immer erkennen.
Wir können solche Situationen durch ehrliche Kommunikation erleichtern. Ich kann sagen, dass ich mich gerne weiter unterhalten würde, jetzt aber zu einem Termin muss. Mein Gegenüber muss dann weniger darüber rätseln, warum meine Aufmerksamkeit nachlässt.
Umgekehrt kann ich akzeptieren, wenn jemand ein Gespräch beendet. Ein kurzer Austausch kann wertvoll gewesen sein, auch wenn danach jeder seinen eigenen Weg geht.
Freundlichkeit braucht diese Möglichkeit, Grenzen auszusprechen. Wenn jede Kontaktaufnahme die Erwartung eines langen Gesprächs mit sich bringt, wird schon das Ansprechen schwieriger. Wer nur kurz Danke sagen möchte, sollte das auch tun können.
Feedback geben und seine Aussage einordnen
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel mir eine positive Rückmeldung bedeutet. Jemand hat etwas mitgenommen, konnte einen Gedanken nutzen oder mit einer Lösung besser arbeiten. Diese Wirkung sehe ich von außen oft gar nicht.
Erst wenn die Person sie ausspricht, erfahre ich davon. Sie hätte den Gedanken auch für sich behalten können. Dass sie auf mich zukommt und mir das sagt, berührt mich.
Deshalb möchte ich selbst häufiger ehrliches positives Feedback geben. Dafür braucht es keine große Ansprache. Eine konkrete Rückmeldung kann kurz sein und trotzdem deutlich machen, was geholfen hat.
Bei kritischem Feedback stellt sich eine andere Aufgabe. Ich muss es zunächst annehmen und dann prüfen, was es für mich bedeutet. Passt der Hinweis zu dem, was ich erreichen wollte? Zeigt er eine Schwäche, an der ich arbeiten sollte? Oder beschreibt er eine persönliche Erwartung, der ich mit meinem Ansatz nicht entsprechen kann?
Auch hier fehlt häufig Kontext. Eine schriftliche Rückmeldung transportiert weder den Blick noch den Tonfall des Gegenübers. Vielleicht lese ich sie schärfer, als sie gemeint war. Anonymes Feedback kann zugleich einen Hinweis ermöglichen, den jemand im direkten Gespräch nicht gegeben hätte.
Und die Zahl der Rückmeldungen braucht ebenfalls eine Einordnung. Wenn von zwanzig Teilnehmern nur wenige antworten, kenne ich zunächst deren Sicht. Was die übrigen gedacht haben, bleibt offen. Daraus lässt sich weder allgemeine Zustimmung noch allgemeine Ablehnung ableiten.
Kritik verdient eine Prüfung. Ob ich etwas ändere, hängt vom Inhalt und vom Zusammenhang ab. Ich muss nicht jedem gefallen, um eine hilfreiche Arbeit zu leisten.
Die Verbindung zum Datenprojekt
Diese Überlegungen beginnen auf einer Konferenz und reichen in den Arbeitsalltag hinein. Auch im Unternehmen begegnen wir Menschen, deren Belastung, Erwartungen und Beweggründe wir nur teilweise kennen.
Ein Datenprojekt braucht fachlichen Austausch. Dafür müssen wir aufeinander zugehen, zuhören und Rückmeldungen geben können. Ein freundlicher Umgang kann es erleichtern, diese Gespräche zu beginnen und Verbündete für das gemeinsame Vorhaben zu finden.
Damit ist noch keine fachliche Frage geklärt. Aber es entsteht Raum, sie miteinander zu bearbeiten. Für mich gehört diese persönliche Ebene zu einer Business Intelligence, die Entscheidungen systematisch mit Informationen verbinden soll.
Die Menschen, die daran arbeiten, müssen auch miteinander ins Gespräch kommen.
„Kindness matters“ erinnert mich daran, die Situation des anderen mitzudenken und die eigene ehrlich zu benennen. Beim nächsten Event genauso wie im nächsten Projektgespräch.
🎧 Die komplette Folge findest du im thinkBI Podcast.

Musik: Great Podcast Intro (short & long) von Lundstroem
Quelle: freemusicarchive.org (Creative Commons) – https://freemusicarchive.org/music/lundstroem/songs-for-leona/great-podcast-intro-both-short-and-long-version-included/

