Zusätzliche Qualitätssicherung für Tooltips mit dem PBI Inspector

In meinen letzten Artikeln habe ich gezeigt, wie sich mit dem PBI Inspector Qualität und Konsistenz von Power-BI-Berichten systematisch überprüfen lassen:

In diesem Artikel möchte ich eine weitere Regel aus einem Kundenprojekt vorstellen, die sich gezielt mit der Nutzung von Tooltips (QuickInfos) in Power-BI-Visuals beschäftigt.

Tooltips in Power BI – hilfreich, aber nicht trivial

Tooltips ermöglichen es, in Visuals per Mouse-Over zusätzliche Informationen oder Kennzahlen bereitzustellen. Power BI unterscheidet dabei im Wesentlichen zwei Varianten:

  • Standard-Tooltip
  • Berichtsseiten-Tooltip (Tooltip Page)
Option: Tooltip (QuickInfo)

Gerade in größeren Berichten oder bei der Wiederverwendung von Visuals (z. B. durch Kopieren zwischen Seiten oder Reports) wird häufig zwischen diesen beiden Tooltip-Typen gewechselt.

Dabei kann es passieren, dass Tooltip-Felder unbeabsichtigt bestehen bleiben, obwohl der Tooltip-Typ auf Berichtsseite umgestellt wurde.

Wo liegt das Problem?

Auf den ersten Blick scheint das harmlos zu sein – schließlich werden diese Tooltip-Felder nicht mehr angezeigt. Technisch bleiben sie jedoch Teil der Visual-Konfiguration.

Tooltip (QuickInfo) Felder

Das kann mehrere Auswirkungen haben:

  • Kennzahlen werden weiterhin aus dem Datenmodell abgefragt, obwohl sie nicht mehr sichtbar genutzt werden.
  • Analysewerkzeuge wie Measure Killer erkennen diese Kennzahlen weiterhin als „verwendet“, da sie im Tooltip-Bereich referenziert sind.
  • Die Konfiguration eines Visuals ist inkonsistent: Tooltip-Felder sind definiert, obwohl der gewählte Tooltip-Typ sie ignoriert.

Gerade in Berichten mit vielen Visuals oder strikten Governance-Anforderungen lohnt es sich, diese Diskrepanz sichtbar zu machen.

Die PBI-Inspector-Regel im Überblick

Genau an dieser Stelle setzt die neue Regel an.

Die Regel prüft:

  • ob der Tooltip-Typ eines Visuals nicht auf Standard gesetzt ist
  • und gleichzeitig Felder oder Kennzahlen im Tooltip-Bereich (Projections.Tooltips) definiert sind

Das Ergebnis:
Der PBI Inspector weist gezielt auf Visuals hin, bei denen Tooltip-Felder vorhanden sind, obwohl sie aufgrund des Tooltip-Typs nicht zur Anzeige kommen.

Damit wird eine Konfiguration sichtbar, die im Power-BI-Desktop leicht übersehen wird.

Bewusste Einschränkungen der Regel

Die Regel ist bewusst konservativ umgesetzt.

Ein Sonderfall ist die Nutzung von Feldern im Tooltip-Bereich ausschließlich zur Sortierung eines Visuals. Diese Konstellation ist fachlich legitim, lässt sich jedoch anhand der verfügbaren Metadaten aktuell nicht eindeutig von „ungenutzten“ Tooltip-Feldern unterscheiden.

Aus diesem Grund wird dieser Fall von der Regel derzeit nicht gesondert behandelt.

Technische Einordnung

  • Die Regel ist aktuell für den PBI Inspector v1.9.4.0 umgesetzt.
  • Sie richtet sich an Projekte, die noch mit dem klassischen PBIX-Format arbeiten.
  • In vielen Kundenprojekten ist das neue PBIR-Format derzeit noch nicht im Einsatz, weshalb der Fokus bewusst auf der bestehenden Struktur liegt.

Eine Anpassung an PBIR ist grundsätzlich möglich, sobald sich dieses Format breiter etabliert hat.

Fazit

Diese Regel ist ein gutes Beispiel dafür, wie der PBI Inspector dabei helfen kann, technische Inkonsistenzen sichtbar zu machen, die im normalen Entwicklungsalltag leicht untergehen.

Sie ersetzt keine fachliche Bewertung, unterstützt aber dabei,

  • Berichte sauber zu halten,
  • unnötige Modellabhängigkeiten zu erkennen
  • und die Qualität von Power-BI-Artefakten systematisch zu überprüfen.

Die Regel steht wie gewohnt in meinem GitHub-Repository zur Verfügung und kann in bestehende Regelsets integriert werden.

Veröffentlicht von

Marcus Wegener

Marcus Wegener

Marcus Wegener ist Anwendungsentwickler für Business Intelligence und erstellt Lösungen, mit denen sich große Datenmengen schnell analysieren lassen. Kunden nutzen seine Lösungen, um die Vergangenheit zu analysieren, die Gegenwart zu steuern und die Zukunft zu planen, um damit mehr Erfolg zu generieren. Dabei ist seine einzigartige Kombination aus Wissen und Auffassungsgabe ein Garant für ihren Erfolg.

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